Test: Omnitronic DJS-2000 – Media/ CD-Player mit Midi Funktion

21 Aug

Mit dem DJS-2000 wirft Omnitronic scheinbar die eierlegende Wollmilchsau auf den Markt, so sollte man zumindest meinen. Massig Features wie Midi, USB, CD, Hot-Cues, Auto-Loops und Samples kommen in einem schicken, stark an den Pioneer CDJ 400 angelehnten, Gehäuse daher. Im Rahmen des Steinigke Streetteams schauen wir uns diesen Boliden einmal genauer an und hinterfragen Sinn und Unsinn mancher Features.

Omnitronic DJS - Media/ CD-Player mit Midi Funktion

– Omnitronic DJS-2000 –

Verarbeitung:

Schon beim ersten Kontakt war ich von der Verarbeitungsgüte beeindruckt. Das für Tabletop CD-Player, heute obligatorische Kunststoffgehäuse macht einen wertigen Eindruck. Alle Buttons, viele davon beleutet sind gummiert und weisen einen stehts identischen, eindeutigen Druckpunkt auf.

Das Jogwheel ist gut gewichtet und hat einen angenehmen Widerstand. Anders als bei Pioneer erfolgt die Lagerung hier über eine zentrale Achse und nicht über einen umlaufenden Rollenring. Trotz dieser erhöhten Hebelwirkung war auch bei höherem Druck kein „Kippeln“ des Jogwheels zu erkennen.
Insgesamt war ich von Erscheinungsbild und Verarbeitung sehr überrascht! Beim aufgerufenen Preis hätte ich da weit weniger erwartet!

Trackbrowsing:

Nach dem Einschalten begrüßt einen ein freundliches „Hello DJ“ im Display. Das mittlerweile übliche Slot-In Laufwerk liest alle CDs zügig und auch die Navigation auf vollgepackten USB-Sticks geht flüssig von der Hand. Kunden des Itunes Stores, mich eingeschlossen dürften den Player allerdings direkt von ihrer potentiellen Wunschliste streichen, da AIFF und AAC Formate nicht unterstützt werden. In meinen Augen ein echtes K.O. Kriterium!

Nachdem ein Track im richtigen Format gefunden ist, versuche ich im Vinyl Modus manuell einen Cuepunkt zu setzten und stehe prompt vor dem ersten Problem…

- Cue-Punkte setzen im Vinyl Modus, eine Herausforderung -

– Cue-Punkte setzen im Vinyl Modus, eine Herausforderung –

Cue-Punkt:

Suche ich mit einer Hand auf der „Platte/Jog“ den gewünschten Punkt, ist es mir im „Vinyl-Modus“ nicht möglich mit der Cue oder Play/Pause Taste einen Cue-Punkt zu setzen (weder Pioneer- noch Denon-Cue).
Als Work-Arround kann man einen Cue-Punkt durch drücken der Loop-In Taste setzen! Ob dies nun ein „Feature“ ist soll jeder für sich selbst entscheiden…

Eine weitere Eigenart im Vinylmodus zeigt sich sobald der Player pausiert ist und man am Jogwheel Außenring dreht. Anstatt eine Vinyl zu simulieren, ertönt das „Pitchbend Mode“ typische abspielen einzelner Frames, was es einem nun zwar ermöglicht einen Cuepunkt auf herkömmliche Art zu setzen, allerdings hinterfrage ich an dieser Stelle abermals den Sinn des Vinyl-Modes…

Der Vollständigkeit halber möchte ich anmerken das der „Pitchbend-Mode“ vollkommen unproblematisch abläuft und sich jeder schnell zurecht finden sollte (Denon Cue).

Pitch und Pitchbend:

Hat man nun seinen Cue-Punkt gesetzt geht es ans Einpitchen des gewählten Tracks. Leider steht hier nur eine maximale Auflösung von 0,1% am Pitchfader zur Verfügung. Heutiger Standart sind 0,02% wobei Numark mit seinem NDX 400 sogar einen Player im gleichen Preissegment bietet, welcher die 0,01% Marke knackt!
Diese geringe Auflösung zieht beim DJS-2000 häufiges „Nachdrehen/ Pitchbenden“ nach sich, wo wir auch schon bei der nächsten Eigenart des Omnitronic Flaggschiffs sind!

Der Pitchbend läuft nach! Nutze ich den Rand des Jogwheels zum Pitchbend, läuft dieser nach. Sprich, auch wenn das Jogwheel schon wieder steht, pitchbendet der Player noch eine gewisse Zeit weiter (1/3 sek – 1/2 sek). Das gleiche Verhalten legen auch viele Reloop RMPs an den Tag und machen das Nachdrehen dadurch sehr ungenau und wenig intuitiv.

Als wäre dies nicht schon genug ist der Pitchbend am DJS-2000, mithilfe des Jogwheels, in meinen Augen fernab der angestrebten Vinyl-Emulation!

Bremst man über längeren Zeitraum mit gleicher Intensität am Jogwheel (dreht mit gleich bleibender Geschwindigkeit rückwärts), bremst der Player den Track immer stärker, je länger man dreht. Dies geht bis zum totalen Stillstand des Tracks (Pitch -100%). Normal wäre bei konstantem Rückwärts-Drehen ein konstanter negativer Pitchbend Wert (Funktionsgerade mit Steigung = 0) und nicht, wie vorliegend ein lineare Bremsung bis zum Stillstand (Funktionsgerade mit Steigung < 1)

Im korrekten Fall müsste die Pitchbend Intensität des Jogwheels von der Winkelgeschwindigkeit abhängig sein und nicht wie hier, von der totalen Winkeländerung seit dem letzten Stillstand des Jogwheels!

Mir ist bewusst das Pitchbend Tasten genau nach diesem Prinzip funktionieren (je länger ich dauerhaft drücke, desto höher steigt der aktuelle Pitchbend-Wert), doch lässt sich dies nicht logisch auf ein Jogwheel übertragen! Hier sind sowohl Dauer und Intensität der Eingabe von Bedeutung!

Erwähnung sollte allerdings finden, dass dieses, für mich total sinnlose Verhalten, detailliert in der gut dokumentierten Bedienungsanleitung nieder geschrieben ist. Den geneigten Käufer sollte es damit nicht vor böse Überraschungen stellen. Fraglich ist natürlich ob Anfänger, auf die der Omnitronic DJS-2000 sicherlich zielt, sich dieser Unterschiede im Pitchbend-Verhalten bewusst sind und zu deuten wissen?!

- Display, Effekt- und Autoloopbedienung -

– Display, Effekt- und Autoloopbedienung –

Loops und Auto-Loops:

Mit etwas Geschick gehen manuelle Loops leicht von der Hand, ein Nachkorrigieren des Loop-Outs ist über drücken der „Out“ Taste und drehen des Jog-Wheels ebenso möglich.

Wer sich allerdings auf Autostops verlassen möchte wird bitter enttäuscht. Nur selten sind Loops wirklich rund und laufen ohne manuelle Korrektur, gerade bei geringeren Geschwindigkeiten (<100 BPM) lässt die Genauigkeit immer weiter nach. Hinzu kommt die fehlerhafte Anzeige der Loop-Länge. Der ausgewählte Autoloop wird bei korrekt ermittelten BPM immer mit Faktor vier multipliziert gespielt! Das heißt: Wähle ich in der Anzeige einen 1 Beat-Loop aus, spielt der Player einen 4er Loop. Steht in der Anzeige ein 4er Loop, spielt der Player eine Schleife mit sechzehn Schlägen! Hier sollte Omnitronic dringend seine Hausaufgaben machen und zügig via Firmware Update nachbessern!

Hotcue Sampler

– Hotcues und Sampler –

Hotcues und Sampler:

Es stehen vier Hotcues zur Verfügung, deren Status durch zweifarbig beleuchtete Tasten (Blau – Hotcue ; Violett – Sample) gut ablesbar ist. Insgesamt lassen sich für 500 Tracks jeweils vier Hotcues und Hotloops speichern. Die Daten werden scheinbar intern auf dem DJS-2000 gespeichert. Was allerdings geschieht, sollte dieser Speicher einmal voll sein, verschweigt auch die gute Bedienungsanleitung.

Parallel zu den vier Hotzes steht auch ein 4-Slot Sampler mit einstellbarer Slot-Lautstärke und Geschwindigkeit zur Verfügung. Jeder Slot fasst eine Länge von fünf Sekunden, die nicht variable ist. Dies hat den Nachteil das in 99% aller Fälle immer unerwünschte Teile des gesampelten Tracks mit zu hören sind, denn welcher Shout oder welche Melodie geht schon genau fünf Sekunden?!

Effekte:

Darüber ob ein CD-Player nun interne Effekte braucht kann man sich streiten, ich meine diese sind am Mixer besser aufgehoben. Trotzdem bietet der DJS-2000 wohl die drei beliebtesten Effekte Echo, Flanger und Filter. Die Effekte klingen ordentlich und lassen sich über die Parameter-Tasten gut kontrollieren. Ich hätte mir gewünscht das man als Dry/Wet (Ratio) anstatt des Jogwheels, beispielsweise den Brake Poti verwendet, sodass sich gleichzeitig zum Effektieren des Signals auch Scratchen oder Pitchbenden lässt.

- Start- und BrakeTime -

– Start- und BrakeTime –

Start- und BrakeTime:

Um noch mehr Vinyl-Feeling zu vermitteln hat Omnitronic eine regelbare Anlauf- bzw. Auslaufsimulation des „Plattentellers“ integriert. Diese soll das langsame Anlaufen bzw. Auslaufen einer Schallplatte simulieren.
Leider ist dies Funktion, wie eigentlich fast alles an diesem Player, nur im Pitchbend Mode brauchbar. Drücke ich hier „Pause“ läuft der Track langsam aus!
Verfahre ich im Vinylmodus identisch, passiert nach Betätigung der Pause-Taste gar nichts außer das der Track normal pausiert. Um den Auslaufvorgang zu starten muss eine Hand aufs Jogwheel gelegt werden. Soweit nicht schlimm, nur bewege ich nun das Jogwheel um wenige Grad bleibt der Track schlagartig stehen! Gerade in Bereichen wo verstärkt Vibrationen auftreten absolut unbrauchbar!

Link Funktion:

Konnte ich mangels eines zweiten Players leider nicht testen. Vom Prinzip aber durchdacht und praxistauglich. Andere Hersteller wie Pioneer oder Denon lösen dies zwar etwas eleganter (Lan Kabel) aber hier muss auch meist etwas mehr Geld auf den Tisch gelegt werden.

Midi-Funktion:

Für mich die beste Funktion des ganzen Geräts! Erst als Midi-Controller und mit einem selbst zusammen gebastelten Traktor Mapping hatte ich etwas Spaß mit dem DJS-2000.
Das Gerät erlaubt es gleich zwei Decks durch Umschalten zu steuern. Der Umschaltvorgang erfolgt via einfachen Druck auf den entsprechenden Button am linken untern Displayrand und wird durch eine eindeutige Anzeige des gerade ausgewählten Decks im Display quittiert.

Schade das es an dieser Stelle keine fertigen Mappings für die gängigen Softwarelösungen (Traktor, Serato, VDJ, MixVibes, etc.) gibt. Den ich glaube kein Anfänger, an den sich das Produkt nunmal richtet, hat Lust oder das Können sich erst ein eigenes Midi-Mapping mit allen Schikanen zu basteln.

Erschwerend kommt hinzu das in der Dokumentation zwar die Midi Out Befehle für die Tasten hinterlegt sind aber die In-Befehle für die LEDs fehlen! Bei beleuchteten Tasten ist dies kein Problem, da man diese durch die Learn Funktion anlernen kann. Hingegen tappte ich bei anderen LEDs die nicht direkt mit einer Taste verknüpft sind (Bsp. Tempo Range und Jogwheel Mode) bis zum Schluss im sprichwörtlichen Dunkel! (Ich liebe schlechte Wortspiele 😛 )

Überblick:

+ Verarbeitung
+ Midi-Funktion (viele beleuchtete Buttons)
+ ausführliche Bedienungsanleitung

– kein AIFF und AAC Format
– Cue-Verhalten
– gernige Auflösung Pitch
– Pitchbend Verhalten
– Sampler unbrauchbar
– Autoloops falsch angezeigt und nicht rund

Fazit:

Insgesamt überzeugt mich der Player nicht! Vielmehr ist er in meinen Augen komplett durchgefallen! Spielereien wohin das Auge reicht, ohne aber die grundlegenden Funktionen (Cue, PitchBend) zufriedenstellend zu erfüllen! Zwar sicherte mir Steinigke zu alle genannten Probleme zu prüfen und ggfl. nachzubessern, doch bekomme ich aktuell bei anderen Herstellen einfach bessere Produkte für ähnliches Geld! (Bsp.: Numark NDX400 oder Denon SC-2900)

Steffen Schulte, Dortmund  August 2014
http://www.facebook.com/VincentSonore

Steinigke Streetteam

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